Start der sanften Klostersanierung
von Clemens Fässler
Am Samstag, 1. Februar 2025, kamen rund 30 Frauen und Männer im Refektorium des Klosters Maria der Engel Appenzell zusammen, um den Start zur sanften Sanierung des Klosters in informativer und würdiger Weise zu feiern. Zu ihnen zählte der Bischof und der Landammann ebenso wie die Leiterinnen des Freiwilligenteams, Stiftungsräte und Beiräte sowie Spender und Architekten. Sie alle konnten sich davon überzeugen, dass nicht nur die Sanierung gut aufgegleist ist, sondern dass das Kloster als ein lebendiger Ort der besinnlichen Ruhe und Einfachheit gedeiht und sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Alt Landammann Carlo Schmid-Sutter, Präsident des Mittelbeschaffungsausschusses, bedankte sich einleitend bei den Gästen für die vielseitige Unterstützung zu Gunsten der Stiftung Kloster Maria der Engel Appenzell. Vor vier Jahren sei ein Beirat ins Leben gerufen worden, um die Sanierung der für Appenzell kulturell, historisch und städtebaulich wichtigen Anlage finanziell zu ermöglichen. Dass dieses Ziel bislang gut erreicht worden sei, zeigte Stiftungsratspräsident Christian Fritsche. 88 Prozent der budgetierten 8,1 Millionen Franken seien gesichert. Oder anders gesagt: In den nächsten beiden Jahren gehe es darum, die letzte Million zu finanzieren.
Ein lebendiges Bijou
Doch warum ist die Finanzierung bislang so erfolgreich verlaufen? Weil das Kloster lebe, so Fritsche. Das Gästehaus verzeichne rund 2000 Übernachtungen pro Jahr; in der Kirche fänden wöchentliche Gottesdienste, aber auch Hochzeiten, Taufen und andere Feiern statt; der Klosterladen warte mit neuen Produktkreationen auf, die mit den Erträgen aus dem Klostergarten hergestellt würden; der Garten selbst sei ein Bijou, das übrigens im Gartenführer Schweiz Erwähnung fände.
Ein Kloster für Freiwillige
Das Wesentliche am Klosterbetrieb seien aber nicht die Übernachtungszahlen oder der Verkaufserlös, sondern die Freiwilligengemeinschaft, die hinter der Arbeit stünde. Mit Liebe bis ins Detail, authentischer Gastfreundschaft und aufrichtiger Dankbarkeit im wertschätzenden Für- und Miteinander machen sie das Kloster zu einem lebendigen Ort der besinnlichen Ruhe und Einfachheit, der sich wachsender Beliebtheit erfreut. Anerkennung des Klostergeistes komme in unzähligen Gästebucheinträgen, Google-Feedbacks und persönlichen Dankesschreiben zum Ausdruck. Ein Höhepunkt darin sei der Erhalt des Förderpreises der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz im vergangenen Jahr gewesen. Auch Bischof Markus Büchel zeigte sich berührt von der Ausstrahlung, die von diesem Ort ausgehe. Das Kloster für Freiwillige zeige, wie Kirche heute funktionieren könne. Das Kontemplative weicht der Begegnung mit der Welt: «Wir müssen Kirche heute mitten in der Gesellschaft leben, sie zu den Menschen bringen.»
Veränderungen gehören dazu
Die Sanierung bringe Veränderungen mit sich, stellte Martin Rusch, Präsident der Baukommission des Klosters, fest. Man versuche zwar, möglichst rücksichts- aber sinnvoll zu erneuern, trotzdem könne es schmerzen, wenn an einer Stelle die Wand durchgebrochen würde. Doch Veränderungen habe es schon immer gegeben: zum Beispiel mit der Installation einer Heizung oder von elektrischem Licht. In diesem Sinne seien Veränderungen zwingend, um eine lebendige Zukunft zu ermöglichen. Wie diese Veränderungen umgesetzt werden, erläuterte der Architekt Andreas Fritsche. Neue Elemente werden die historischen Bauteile nicht verdrängen, aber auch nicht nachahmen. Sondern es sollen alle Zeitepochen des Baus in ein Gesamtbild gerückt werden. Das verlange architektonisches Feingefühl und auch Kompromisse der verschiedenen Anspruchsgruppen. Gerade Denkmalpflege und Brandschutz stünden sich oftmals gegenüber. Hierbei wäre es wünschenswert, wenn dank weniger Regulierungen pragmatische Lösungen im Sinne des Projekts gefunden werden könnten.
Mit dem Segen des Bischofs
Landammann Roland Inauen ging nicht weiter auf diesen politischen Vorstoss ein, damit könne sich seine Nachfolge auseinandersetzen. Vielmehr freute er sich über das neue Zeitalter, das im Kloster Maria der Engel angebrochen sei. Dass Veränderungen und Übergänge immer auch ein Risiko mit sich trügen, sei den Menschen seit jeher bewusst. Deshalb seien solche Übergänge auch immer mit Ritualen verbunden, wie sie gerade die Kirche in schöner Weise zelebriere. In diesem Sinne hielten die Anwesenden eine kleine Andacht ab und Bischof Markus segnete das Kloster und dessen Sanierungsarbeiten.