Kloster-Herberge – eine tief eindrückliche Begegnung!

von Albert Koller

Da verrichte ich wie gewohnt meine Empfangs-Arbeit abends fünf Uhr. Es lassen sich eine Handvoll Gäste einschreiben. Nach Dreiviertelstunden scheint alles gemacht zu sein. Ich will nach Hause zurückkehren. Beim Hinausgehen läutet die Klosterglocke. Oh, kommen noch mehr Gäste?

Da stehen drei jüngere Männer vor der Pforte und erkundigen sich über die Übernachtungsmöglichkeiten. Der eine möchte ein Zimmer, die anderen wollen eine ganz günstige Übernachtung. Die günstigste, die möglich ist. Da fragt der jüngere: «Dürfen wir im Garten übernachten, wir haben eine Hängematte dabei. Wir haben fast kein Geld und Sie wissen ja, die Schweiz ist sehr teuer. Unser Ziel ist Santiago de Compostela.» Seine blauen Augen schauen mich bittend an. Am liebsten hätte ich allen drei bei mir zu Hause ein Zimmer angeboten.

Schlafen in der Hängematte

Ich werde etwas unsicher und weiss nicht, ob ich etwas verlangen muss. Auf das Morgenessen wollen sie auch verzichten. Sie hätten etwas Kleines im Rucksack. Schnell erkundige ich mich bei der Gästehaus-Verantwortlichen. Eine solche Anfrage haben wir noch nie gehabt. Wir sind uns schnell einig, im Garten dürfen sie schlafen.

Ein zufälliges Wanderteam

Am andern Morgen frühstückte der Ältere im Refektorium und schaute ständig auf die Matten im Garten. Es war alles ruhig. Er erklärte mir, dass er seine Achillessehne schonen müsse, und er möchte deshalb noch einen Tag länger bleiben. Seine zwei Kollegen, zu denen er auf dem Jakobsweg in Österreich zufällig gestossen war, werden heute weiterreisen. Jetzt regte sich was im Garten. Die beiden standen auf und wuschen sich im Wäschehaus. Ich offerierte ihnen einen Kaffee (!), den sie gerne annahmen. Sie erklärten mir, dass sie nun weiterwandern würden.

Gartenarbeit aus doppelter Hilfsbereitschaft

Eine halbe Stunde später sah ich alle drei im Garten. Der eine fuhr mit der Garette umher, der andere stockte eine Pflanze aus und der dritte war am Jäten. Silvia, die Gartenchefin, gesellte sich dazu, gab ihnen Anweisungen und unterhielt sich offensichtlich sehr gut mit ihnen. Auf meine Frage, ob sie sich denn nicht auf den Weg machen würden, sagte der jüngste aller drei wiederum mit funkelnden Augen: «He, wir sind doch Kollegen! Christian muss seinen Fuss schonen. Wir schalten mal eine eintägige Pause ein». Während des ganzen Tages halfen sie Silvia bei der Gartenarbeit. Am Abend gönnten sie sich noch ein Bier im nahegelegenen Pub. Nach einer offenbar langen Nacht reisten sie am andern Morgen gemeinsam ab. Mich aber hinterliessen sie tief beeindruckt.

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