Die grössten Etappen sind geschafft

von Clemens Fässler und Sandra Speck

Nach mehreren Jahren der intensiven Planung konnte Anfang 2025 mit der Sanierung des ehemaligen Frauenklosters Maria der Engel in Appenzell begonnen werden. Seither schritten die Arbeiten stetig und zügig voran, sodass 16 Monate später mehrere Etappen vor dem Abschluss stehen.

Mit grossem Gefährt

Dass die Sanierung nicht nur einige Pinselstriche bedeutet, zeigte sich im Oktober 2025, als mit einem grossen Pneukran der neue Lift eingesetzt wurde. Dieser dient einerseits dem inneren Betrieb, insbesondere dem Transport der Wäsche, andererseits ist er eine Voraussetzung im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes, damit das Kloster weiterhin Gäste beherbergen kann. Mit dem Lifteinbau waren aber auch heikle Fragen der Denkmalpflege verknüpft, die ihrerseits den authentischen Erhalt der Gebäude möchte. In den kontroversen Diskussionen zwischen den unterschiedlichen Interessen von Denkmalpflege, Feuerschutz, Behindertengleichstellung und Betriebswirtschaft waren immer wieder Kompromisse gefragt, welche die Arbeiten nicht einfacher, aber das Resultat nachhaltig und für alle erfreulich machten.

Alte Dielen und neue Haltopex-Böden

Ein Rundgang macht diese Resultate sichtbar. Hier und dort konnten alte Dielenböden wieder freigelegt werden und auch die alten Fenster wurden fachmännisch und mit historischem Flachglas ersetzt. Im Obergeschoss wurde anstelle des Novilonbelags aus den 1960er Jahren aber ein moderner und feuerfester Haltopex-Boden eingesetzt. Hier war dem Brandschutz Vorrang zu geben. Sehr zurückhaltend war man mit Veränderungen der Raumeinteilung. Neben dem erwähnten Lifteinbau wird bis Ende Jahr ein Klostercafé eingerichtet. Bereits in Betrieb ist der erweiterte und erneuerte Klosterladen. Ansonsten bleiben sämtliche Räume im Konventgebäude bestehen. Die grösste Veränderung betrifft das angrenzende «Alte Mädchenschulhaus». In diesen Räumen, die mehrheitlich seit rund 70 Jahren leer stehen, wurden vier attraktive Wohnungen realisiert. Sie werden ab September vermietet, könnten künftig aber auch von einer allfälligen Klostergemeinschaft oder vom klösterlichen Gästehaus genutzt werden.

Neues entsteht – mit Respekt für das Vergangene

Ein schönes Beispiel für die Sanierung ist der Klosterladen in einem ehemaligen Doppelzimmer im Erdgeschoss des Klosters. Einst wurde der Raum als schlichtes Gästezimmer für Besucher des Klosters genutzt – geprägt von Ruhe, Einfachheit und der besonderen Atmosphäre des Hauses. Heute zeigt sich der Raum in neuem Gewand: sanft gestrichen in Salbeigrün, hell und einladend, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Im neu gestalteten Raum wurde der Klosterladen liebevoll eingerichtet und mit einer kleinen Teeküche ergänzt, die ab Herbst das Herz des kleinen Klosterkaffees bildet. Die Stimmung des Klosters bleibt dabei spürbar. Tradition trifft auf Neues, Ruhe auf Begegnung und Handwerk auf Achtsamkeit. So entsteht ein Ort zum Verweilen, Entdecken und Wohlfühlen – ein Raum, in dem die Geschichte des Hauses auf stille Weise weiterlebt. Besucher sind eingeladen, innezuhalten, zu stöbern und die besondere Atmosphäre zu geniessen.

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